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Wie entsteht handgeschöpftes Büttenpapier?

11.1.2018

 

Handgeschöpftes Büttenpapier ist eine besonders edle Papiersorte. Das Papier wird, wie der Name schon sagt, per Hand hergestellt. Die hohe Qualität ist fühlbar und veredelt jedes handgeschriebene Wort.

 

Österreichisches Handwerk

 

Das Herstellen von Büttenpapier hat in Österreich eine lange Tradition. Leider bestehen nur mehr wenige Betriebe, die Papier händisch in dieser hohen Qualität herstellen können. Das liegt einerseits an der aufwendigen Verarbeitung und andererseits an der benötigten jahrelangen Erfahrung jedes erfolgreichen Papierschöpfers. Ein optimal beschreibbares Büttenpapier wird in der österreichischen Papiermanufaktur HOBL + SOHN produziert. Die Handschreiberei durfte einen Blick hinter die Kulissen der Papierschöpferei werfen:

 

Papierschöpfen bei HOBL + SOHN

 

Wir haben dem Meister über die Schulter geschaut.

 

 

Die Baumwolle für die Papiererzeugung wird in Lagen geliefert. Zu Beginn wird die Pulpe, eine breiähnliche Masse aus kleinsten Zellstoffteilchen, hergestellt.

 

 

 

 

 

 

Feinste Baumwolle dient als Grundstoff für das hochwertige Büttenpapier.

 

 

Die Baumwollfasern werden dabei im mechanischen Mahlwerk des "Holländers" mit Hilfe rotierender Messer gekürzt, gequetscht und zerkleinert. Die Idee der mechanischen Bearbeitung der Fasern stammt aus Holland und wurde bereits im späten 17. Jahrhundert angewendet.

 

 

 

Fixe und bewegliche Messer im Holländer zerkleinern die Baumwolle.

 

 

Anschließend wird die Masse in der Bütte (daher auch der Name: Büttenpapier) mit Leim und Wasser vermischt und sorgfältig verührt.

 

Und nun geht es ans Schöpfen.

 

 

 

 

Durch das Mischen werden die Baumwollfasern zum Schweben gebracht.

 

Schöpfen

 

Der Überwurf, der Rahmen, der die Größe des Papiers bestimmt, wird mit den Händen auf das Schöpfsieb gepresst, in das Schöpfbecken getaucht und vorsichtig in waagrechter Position wieder herausgehoben. Durch den Schöpfrahmen bleibt die Pulpe am Sieb liegen.

 

 

Das Schöpfsieb wird mit dem Rahmen in die Pulpe eingetaucht.

 

 

 

Das Wasser rinnt nun durch das Schöpfsieb ab und die Fasern legen sich durch das Abfließen des Wassers auf das Sieb.

Sollten sich nun Luftblasen bilden, weist das Papier später kleine Löcher auf

 

 

 

 

Sorgfältiges Abschöpfen ist Bedingung für eine hochwertige Papierqualität.

 

Da der Rahmen nicht fix mit dem Sieb verbunden ist und nur per Hand darauf gepresst wird, bahnt sich das Wasser beim Abrinnen einen Weg durch die Spalten und nimmt dabei feine Baumwollfasern mit. So entsteht beim Entfernen des Rahmens der typische Büttenrand. Je stärker der Rahmen beim Schöpfen an das Sieb gepresst wird, umso feiner wirkt der ausgefranste Büttenrand. 

 

Das Schöpfsieb mit abgehobenem Schöpfrahmen.

 

 

Gautschen

 

Wenn das Wasser komplett abgetropft ist, wird der Schöpfrahmen entfernt und das Papier auf einer Filzunterlage abgegautscht (umgeschlagen). Dabei wird die Baumwollmasse auf die Unterlage gepresst und anschließend das Schöpfsieb vorsichtig entfernt.

 

Gautschen: Umschlagen der Baumwollmasse auf eine Filzunterlage.

 

 

Der Meister schafft es, dabei keinerlei Schaden wie Risse oder Blasen an der filigranen Papiermasse anzurichten. Der Filz saugt weiteres Wasser ab.

 

 

 

 

 

 

 

Gegautschtes Papier auf der Filzunterlage.

 

 

 

 

 

Wurde in das Sieb ein Wasserzeichen eingenäht, so wird eine Strichzeichnung, ähnlich einer Bleistiftzeichnung im Gegenlicht mit hellen und dunklen Linien sichtbar. Grauschattierungen sind dabei nicht möglich.

 

Übrigens: Prägungen werden erst später in das bereits fertige, trockene Papier eingebracht.

 

 

 

 

 

 

 

Schöpfsieb mit eingesticktem Wasserzeichen.

 

 

Im Gegensatz dazu: das Schattenwasserzeichen, welches durch die verschiedenen Schattierungen im Licht dreidimensional wirkt. HOBL + SOHN ist der einzige Betrieb in Österreich, der dieses alte Handwerk - die Herstellung eines Schattenwasserzeichens - beherrscht. In ganz Europa sind Meister dieses Faches nur mehr vereinzelt zu finden.

 

 

Schattenwasserzeichen von HOBL + SOHN.

 

 

Es werden 30 bis 35 Bögen gegautscht und jeweils mit einer Lage Filz gestapelt. Danach geht der Papierstapel in die Spindelpresse, in der das restliche Wasser aus der Baumwollmasse gepresst wird. Das Papier hat nun eine Festigkeit erreicht, in der es sich leicht vom Filz abzuziehen lässt, ohne dabei Schaden zu nehmen.

 

 

Einlegen in die Spindelpresse: Genaues Arbeiten ist bei jedem Arbeitsvorgang Pflicht.

 

 

HOBL + SOHN stellt Papier in verschiedenen Stärken von 80g bis 800g/m2 her.

 

Abschließend wird das Papier innerhalb weniger Minuten in einer Trockenmaschine oder an der Luft (zwischen 12 und 24 Stunden) getrocknet ...

 

... und wartet nun auf die individuelle Beschriftung der Handschreiberei.

 

 

Die Papierwaage gibt Auskunft über die Papierstärke.

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