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Liebes Tagebuch

Nur zwei Worte - zwei magische Worte


Geht es dir genauso? Katapultiert dich die titelgebende Anrede ebenso wie uns unmittelbar in deine Jugendzeit zurück, weil du als junge Frau/Mann deine Sorgen und Nöte, deine Hoffnungen und Träume einem Tagebuch anvertraut hast? Oder nutzt du das Zauberbüchlein vielleicht immer noch, um Erlebtes und Gefühle auf Papier zu bannen oder um dir etwas von der Seele zu schreiben?

Bravo! Du befindest dich in guter Gesellschaft. Tagebuch schreiben erlebt nicht erst seit Corona einen kleinen Boom.



Ob Tagebuch oder Journal – schreiben bringt‘s


Vor allem der Trend zur Selbstoptimierung und Persönlichkeitsentwicklung hat Tagebuch schreiben neuen Zulauf beschert. Oder besser gesagt dem Journaling. 


Zwar gibt es definitionsgemäß feine Unterschiede zwischen dem Führen eines Journals und dem eines Tagebuchs. Laut Experten zufolge thematisiert das Tagebuch die Selbstreflexion und die damit verbundenen Gefühle des Schreibenden. Das Führen eines Journals hingegen gibt eher die Chronik von Erlebnissen preis. Doch die Grenzen sind fließend, um nicht zu sagen: höchst verschwommen. Letztlich ist es auch irrelevant, wie man es nennt. Hauptsache du schreibst, denn die Vorteile liegen klar auf der Hand. 



Gut für Seele, Geist und Körper 


Schreiben hilft uns, Erlebtes zu verarbeiten, Ordnung in unsere Gedankenwelt zu bringen und klarer zu sehen – auch in schwierigen Lebensphasen. Ein Tagebuch oder Journal ist ein wundervolles Werkzeug, um zum inneren Gleichgewicht (zurück) zu finden. 


Wer wiederum regelmäßig über seine Ziele und Visionen schreibt, wird sich rascher weiterentwickeln, während Glücks- oder Dankbarkeitstagebücher einen nachweislich achtsamer und zufriedener machen. Nicht zuletzt reduziert regelmäßiges Schreiben Stress und stärkt das Immunsystem, wie wissenschaftliche Studien bestätigen.



Was da ist, kann raus


Schreibtherapien, ob unter fachkundiger Anleitung oder im Selbstcoaching zu Hause, können somit helfen, unsere Ressourcen zu stärken und Belastendes loszuwerden. 


Den Mechanismus dahinter beschreibt die Schreibtherapeutin und psychologische Beraterin Mag. Ursula Neubauer so: „Über Schreibprozesse gelingt es, in tiefere Schichten unseres Selbst vorzudringen und alles, was da ist, rauszulassen.“ 


Oder anders gesagt: Übers Schreiben schaffen wir Raum für Impulse, die ohnehin in uns angelegt sind und die durchs Verschriftlichen an die Oberfläche kommen können. „Das kann wahnsinnig entlasten, überraschende Erkenntnisse liefern und Lösungsideen hervorbringen. Nicht zuletzt, weil wir durch das Niederschreiben Abstand zu unseren Problemen bekommen und eine andere Sicht darauf entwickeln“, weiß Neubauer.



Schreiben befreit vom Grübeln


Was sich konkret in unseren Hirnwindungen abspielt, wenn wir uns etwas von der Seele schreiben, wissen wir nicht. Einer Theorie zufolge ordnen wir dabei lose Fragmente von Gedanken, Emotionen sowie Erlebnissen und verweben diese im Prozess des Schreibens zu einer für uns schlüssigen Geschichte. 


Diese Art Sinn-Webteppich lässt sich sodann in unsere Lebensgeschichte integrieren und kann - kompakt wie er ist - leichter im Gedächtnis abgelegt werden. Das setzt kognitive Ressourcen frei, weil wir Platz in unserem Kopf schaffen und uns gleichzeitig weniger mit Herumgrübeln beschäftigen. 



Besser mit dem Stift in der Hand


Dabei ist es nicht egal, ob wir mit der Hand schreiben oder in die Tastatur hämmern. „Mit einem Stift in der Hand zu schreiben, fördert unsere Kreativität und löst mehr Aktivität in unserem Gehirn aus als reines Tippen. Gerade wenn es darum geht, Gedanken sehr schnell niederzuschreiben, ist das Schreiben von Hand viel unmittelbarer, intimer. Und das hilft, gut zu mir zu kommen und zu dem, das mich beschäftigt“, weiß Schreibtherapeutin Ursula Neubauer, die in ihrem Buch „Schau gut auf dich“ viele Tipps zum Thema Schreiben als Therapie gibt.



Lebenscoach und Buch der Erinnerungen


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns durch das Tagebuch oder Journal schreiben intensiv mit unseren Problemen auseinandersetzen und so leichter zu Lösungen finden. Dass wir uns Belastendes sozusagen von der Seele schreiben, dabei stärker werden und zur Ruhe kommen können. Und dass uns Schreiben beim Verwirklichen unserer Ziele hilft.


Nicht zuletzt sind es bleibende Erinnerungen, die uns das Tagebuch beschert: Wenn wir alte Einträge lesen und uns bewusst wird, was wir bereits erlebt und was wir damals gedacht und gefühlt haben.

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