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Von Papyrus zur E-Mail

Die Geschichte des Schriftverkehrs


Die Art wie wir schriftlich kommunizieren, hat sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte stark verändert.


Ein knapper Rückblick in die jüngere Vergangenheit zeigt zweifellos den größten Wandel: Während Anfang des 20. Jahrhunderts das Telegramm in Mode kam und so der gute alte Brief vor allem hinsichtlich dringlicher Botschaften Konkurrenz bekam, war es vor 50 Jahren das E-Mail, das unsere Kommunikation revolutionierte und das Briefe schreiben beinahe völlig verdrängte.


Ein Zauber von Nostalgie

Kein Postamt ist heute mehr nötig, damit wir eine schriftliche Nachricht in Sekundenschnelle rund um den Erdball jagen können. Wir müssen dazu nicht einmal unsere vier Wände verlassen.


Und dennoch werden in unserer schnelllebigen Zeit Briefe - vor allem von Hand geschrieben - immer mehr geschätzt und lieb gewonnen. Sei es das Liebesbriefchen in der Schule, ein Gruß am Frühstückstisch oder die liebevolle Weihnachtspost. Fakt ist: Ein Brief löst in uns einen Zauber nostalgischer Erinnerungen aus mit Gefühlen, wie es elektronische Nachrichten nie vermögen.


Die handgeschriebenen Zeilen werden aufgehoben, in der Geldbörse, in speziellen Schachteln oder auch in der Schreibtischschublade, um sie später, vielleicht auch erst nach Jahren, wieder zu lesen. Wer liest im Gegensatz dazu eine zehn Jahre alte Whatsapp-Nachricht?


Doch wie haben sich das Briefeschreiben und der Postverkehr überhaupt entwickelt? Begeben wir uns dafür auf eine spannende Reise durch die Geschichte. Eine Reise, die ihren Ausgang im alten Ägypten nimmt ...


Altes Ägypten

Bereits 3000 Jahre vor Christus betrieben die Menschen in Ägypten eine frühe Form der Briefkultur. Sie stellten Papyrus her, um es mit Hieroglyphen zu beschreiben, zusammen zu rollen und entweder zu Fuß oder über längere Strecken per Schiff auf dem Nil zu transportieren.



Babylonien

Die Altbabylonier versendeten ebenfalls erste briefähnliche Dokumente, allerdings in Form von Tontafeln mit Keilschrift. Beweis dafür sind die sogenannten Mari-Briefe, die aus der Zeit um 1815 vor Christus stammen.






Römisches Reich

Etwa um Christi Geburt entstand unter Kaiser Augustus ein staatliches Postsystem, der cursus publicus. Die Post wurde entweder zu Fuß oder mit Pferden überbracht. Private Briefe zu transportieren war jedoch strengstens untersagt. Der cursus publicus war allein staatlichen Funktionsträgern und militärischen Autoritäten vorbehalten, zum Zwecke, die amtliche Kommunikation in den Provinzen des gesamten Römischen Reiches zu vereinfachen.

Der cursus publicus wurde laufend verbessert: Am Anfang waren entlang von wichtigen Straßen Läufer postiert, welche die Briefe in Empfang nahmen und zum nächsten Läufer weiter transportierten. Nach einiger Zeit erledigten diese Arbeit berittene Boten. Bei den sogenannten Wechselstationen konnten diese ihre müden Pferde gegen ausgeruhte Einhufer eintauschen.


Europa im Hochmittelalter

Im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1250 nach Christus wurde die Übermittlung von Nachrichten von drei Institutionen dominiert: Von der katholischen Kirche, den Herrschern der unterschiedlichen Länder sowie dem europäischen Fernhandel.

Durch die zentrale Lenkung der Kirche in Rom (und später in Avignon) und die häufigen Papstwahlen wuchs der Briefverkehr mit den Bistümern – die Klöster etablierten fortan eigene Botendienste.

Auch die deutsch-römischen Herrscher sowie die Könige in England und Frankreich verbesserten die Kommunikation in ihren Ländern. Sie setzten für das Überbringen von Briefen Fußboten ein, welche allerdings Leihpferde von Herbergen oder Flussschiffe zur Auslieferung nutzten.

Im späten Mittelalter

Im späten Mittelalter bildete sich in vielen europäischen Städten ein Fernhandel. Parallel dazu entwickelte sich die länderübergreifende Kaufmannspost. Einen privaten Briefverkehr gab es nach wie vor nicht, da Pergament sehr teuer war und es sich die meisten Leute nicht leisten konnten. Erst ab dem 15. Jahrhundert wurde billigeres Papier eingeführt und der private Briefverkehr begann langsam zu wachsen.


In der frühen Neuzeit

Nach 1520 nahm die Beförderung der Privatpost auf dem Niederländischen Postkurs ein solches Ausmaß an, dass sie anfangs insgeheim geduldet und letztendlich genehmigt wurde.



Durch den zunehmenden Postverkehr kam es zu administrativen Verbesserungen und Vereinfachungen. Die Verlustquote von Briefen wurde minimiert, die Menschen sehnten sich nach mehr Sicherheit und vertrauten der Post ihre Briefe und Güter an. Es wurden zuverlässige Briefboten eingestellt und deren Lohn erhöht.


Doch erst die zunehmende Alphabetisierung der Bevölkerung und die Ausweitung staatlicher und städtischer Postsysteme im 18. Jahrhundert machten den Brief zu einem Kommunikationsmedium für jedermann. Letztendlich entstand so das Briefpostsystem, wie wir es heute kennen!


Entwicklung außerhalb Europas

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches setzte langsam die islamische Expansion ein. Ab etwa 630 nach Christus gelang es den Arabern ein Weltreich aufzubauen, welches sich von Persien bis nach Spanien erstreckte. Zu dieser Zeit wurde die Nachrichtenverbindung stark verbessert und ausgeweitet – so entstand ein sehr organisiertes Nachrichtenwesen.


Siehe unseren nächsten Blog: Brieftauben, die stillen Boten.



Fotocredit: shutterstock

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